Archiv der Kategorie: Verschiedenes

Aus der Rubrik “Milieuschutz”:

Berliner Morgenpost am 12.09.2018: Wohnen in Berlin – Wie in Berlin Milieuschutzverordnungen umgangen werden

In Neukölln sollen Mietwohnungen zu Eigentumswohnungen werden. Bewohner sind in Sorge. Nicht nur dort.

Immer häufiger wird in Milieuschutzgebieten die Milieuschutzverordnung umgangen. Wurden beispielsweise in Neukölln 2012 noch 318 Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohngen genehmigt, waren es 2013 bereits 529, 2014 dann schon 1090 Umwandlungen, 2015 schließlich 1225 und im Jahr 2016 dann 1448 Umwandlungen. In ganz Berlin gab es im Zeitraum von Anfang Juni 2017 bis Ende Mai 2018 Umwandlungen von insgesamt 14.053 Wohnungen. Im Bezirksvergleich wurden in Friedrichshain-Kreuzberg die meisten Wohnungen umgewandelt (3281), gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf (2790), Mitte (2414) und Neukölln (1855).

Die Milieuschutzverordnung soll eigentlich „die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung in einem Gebiet aus besonderen städtebaulichen Gründen erhalten und einer sozialen Verdrängung entgegenwirken beziehungsweise vorbeugen“ – so schreibt es das Bezirksamt Neukölln im Netz. Eine Umwandlung muss vom Bezirksamt genehmigt werden und ist nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig.

Doch Covivio und andere Unternehmen haben wohl einen recht einfachen Weg gefunden, diese Verordnung auszuhebeln: mit dem Versprechen, die Mieter nicht gleich aus der Wohnung zu drängen. Denn in den kommenden sieben Jahren, darauf hat sich Covivio verpflichtet, darf die Wohnung nur an die jetzigen Bewohner verkauft werden. Wird die Wohnung aber dennoch an jemand anders verkauft, haben die Mieter noch weitere fünf Jahre Kündigungsschutz. Sprich: In zwölf Jahren könnten die Bewohner gezwungen werden, ihre Wohnungen zu verlassen.

„Das Bezirksamt hat keine andere Möglichkeit, als dem Begehren nachzukommen“, teilte Baustadtrat Jochen Biedermeier (Grüne) kürzlich mit. Die Sieben-Jahres-Regelung sei rechtlich festgeschrieben. Und auch das Vorkaufs-recht kann Biedermann hier nicht aussprechen. Das ginge nur, wenn Häuser verkauft werden und der Eigentümer wechselt. Im Schillerkiez werden aber Miet- in Eigentumswohngen umgewandelt. „Es findet gar kein Verkauf statt, den wir prüfen könnten“, so Biedermann. Außerdem können durch das Vorkaufsrecht immer nur Mehrfamilienhäuser erworben werden, aber keine einzelnen Wohnungen. Die Wohnungen im Schillerkiez aber sollen in Einzel-Eigentumswohnungen umgewandelt, nicht das komplette Haus verkauft werden.

https://www.morgenpost.de/bezirke/neukoelln/article215307987/Wie-in-Berlin-Milieuschutzverordnungen-umgangen-werden.html

Aus der Rubrik “Stadtentwicklungspolitik”:

 

Berliner Woche am 10.09.2018: Erhaltungsverordnung in Vorbereitung

Einwohnerschutz für Lettekiez

Das Viertel um den Letteplatz soll vor luxuriösen Veränderungen geschützt werden. Einen entsprechenden Antrag hat Bürgermeister Frank Balzer (CDU) in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vom 12. September eingebracht.

Mit der Erhaltungsverordnung soll die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung und die Übereinstimmung derselben mit der sozialen Infrastruktur in einem rund 92 Hektar großen Gebiet mit knapp 11.000 Einwohnern gesichert werden. Jetzt in die BVV eingebracht, wird die Erhaltungsvorordnung noch im Stadtplanungsausschuss der BVV beraten und dann der BVV zur Entscheidung vorgelegt.

Das Gebiet wird umgrenzt von Markstraße, Reginhardstraße, Provinzstraße und Mittelbruchzeile und umfasst westlich der Residenzstraße noch die den Schäfersee umgebende Wohnbebauung. Im Gebiet gibt es seit neun Jahren ein Quartiersmanagement.

Nach Ansicht von Gutachtern ist das Gebiet wegen gut erschlossener Lage und der in wenigen Jahren absehbaren Schließung des Flughafens Tegel unter Veränderungsdruck. Wohnungen mit einfacher oder mittlerer Ausstattung könnten saniert und für zahlungskräftige Mieter oder Eigentümer interessant werden.

Einzelfallentscheidungen sollen getroffen werden

Tritt die Erhaltungsverordnung in Kraft, braucht es für Rückbau, Änderung oder Nutzungsänderung von Gebäuden einer Genehmigung. Damit soll verhindert werden, dass Mieter mit teuren Sanierungen vertrieben werden, weil sie anschließend die Miete nicht mehr zahlen können. Bürgermeister Frank Balzer (CDU) geht davon aus, dass es dann eine Reihe von Einzelfallentscheidungen gibt. So kann die Installation eines Aufzuges durchaus genehmigungsfähig sein, weil es angesichts einer alternden Bevölkerung sinnvoll ist, Wohnungen in oberen Geschossen barrierefrei zugänglich zu machen. Das gilt auch für die Installation eines zweiten Bades für größere Wohnungen. Hier wäre dann genau abzuwägen, was sinnvolle Erneuerung oder abzulehnende Luxussanierung ist.

Bei einer Präsentation des Gutachtens am 23. August zeigten sich alle Parteien bis auf die AfD vom Erlass der Erhaltungsatzung angetan. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Rolf Wiedenhaupt fürchtet, dass sie Investitionen blockiert und die für ältere Menschen erforderliche Ausstattung verhindert.

https://www.berliner-woche.de/reinickendorf/c-bauen/einwohnerschutz-fuer-lettekiez_a179408

Aus der Rubrik “Wohnungsbau”:

 

Spandauer Volksblatt am 11.09.2018: Gewobag legt Grundstein für neues Stadtquartier

“Waterkant” jetzt an der Havel

„Waterkant Berlin“ heißt das neue Wohnquartier in der Wasserstadt. Fertig ist es zwar noch nicht, und an der Küste liegt es auch nicht. Aber mit der Havel ist die passende Kulisse schon da.Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) und Spandaus Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) kamen übers Wasser. Mit einem Schiff legten sie an der Havelpromenade an und hissten eine blaue Flagge mit dem Namen „Waterkant“. Ahoi, das neue Stadtquartier war getauft.

Direkt an der Havel bauen die Wohnungsbaugesellschaften Gewobag und WBM bis 2025 rund 2500 neue Wohnungen. Für das erste Viertel aus 14 Häusern mit 362 Wohnungen wurde westlich der Daumstraße jetzt der Grundstein gelegt. In zwei Jahren schon sollen die ersten Ein- bis vier Zimmer-Wohnungen bezugsfertig sein. Ein Gymnasium und eine Kita sind in späteren Bauabschnitten geplant.

Verweigerung Berliner Modell:

Senat entzog das PlanverfahrenDa die Gewobag dort baut, sind 120 der landeseigenen Wohnungen Sozialwohnungen (mit WBS) für 6,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Sonst liegt der Quadratmeterpreis im „Waterkant Berlin“ bei maximal zehn Euro. „Wohnen direkt am Wasser und das zu leistbaren Mieten, das bieten wir hier“, sagte Snezana Michaelis vom Vorstand der Gewobag bei der Grundsteinlegung. Senatorin Lompscher ergänzte: „Das Schaffen von bezahlbarem Wohnraum ist eine der zentralen Aufgaben in der Stadt.“ Wie Lompscher das durchsetzt, bewies sie bereits. Weil das Bezirksamt an der 30-bis-50-Prozent-Vorgabe bei den Sozialwohnungen nicht verbindlich festhalten wollte, nahm die Senatorin dem Bezirk wie berichtet das Planverfahren aus der Hand. Darum ging es mit dem Waterkant-Quartier auch jetzt erst los und nicht schon vor den Sommerferien. „Wo Wohnungen dringend gebraucht werden, sind drei Monate Zeitverzug sehr viel“, bemerkte Baustadtrat Frank Bewig (CDU). Dass es jetzt aber endlich losgehe, begrüße er. „Städtebaulich wird das ein schönes Quartier.“

Die Verkehrsanbindung lässt zu wünschen übrigEin großes Manko hat das 63 Millionen Euro teure Quartier aber noch. Dort fährt nur der Bus. „Wir brauchen dringend eine vernünftige Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr“, sagte deshalb der Spandauer SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz. „Busse reichen hier nicht.“ Buchholz schlägt vor, den still gelegten S-Bahnhof Gartenfeld (Siemensbahn) zu reaktivieren und die Strecke um eine Station zu verlängern: zur Haltestelle „Waterkant“. Oder Straßenbahnschienen zu verlegen. Die schlechte Verkehrsanbindung sieht man auch im Bezirksamt mit großer Sorge. Baustadtrat Frank Bewig nimmt hier den Senat in die Pflicht, und auch Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) hofft auf dessen „Unterstützung“.

Immerhin ist die „Wasserstadt Oberhavel“ ein Städtebauprojekt des Landes. Mehr als 7500 neue Wohnungen werden hier noch gebaut – von der öffentlichen Hand oder Privatinvestoren. Etwa 3700 sind auf der Insel Gartenfeld geplant, rund 700 Wohnungen kommen an der Ecke Gartenfelder und Paulsternstraße hinzu, weitere 800 Wohnungen auf der ehemaligen Siemens-Kleingartenanlage „Alte Exer“, und noch einmal 700 sind am Saatwinkler Damm (Bahnhof Gartenfeld) geplant. Damit wird Haselhorst ziemlich bald zum XXL-Ortsteil.

https://www.berliner-woche.de/haselhorst/c-bauen/waterkant-jetzt-an-der-havel_a179825

Aus der Rubrik “Stadtentwicklungspolitik”:

Berliner Abendblatt am 07.09.2018: Geschütztes Wohnen

In vielen anderen Berliner Bezirken gibt es bereits Milieuschutzgebiete. Nun zieht auch Charlottenburg-Wilmersdorf nach. Seit dieser Woche gilt der Milieuschutz auch auf der Mierendorff-Insel und rund um den Gierkeplatz. Hier sollen die Mieter künftig vor Luxusmodernisierungen und der Umwandlung ihrer Miet- in Eigentumswohnungen geschützt werden. Angestoßen wurde das vor nunmehr fünf Jahren von der Grünen-Fraktion, die sich über den ersten Erfolg freut: „Allerdings muss das Tempo, in dem gefährdete Gebiete unter Schutz gestellt werden, unbedingt erhöht werden“, warnt Jenny Wieland, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der grünen Fraktion.

http://www.abendblatt-berlin.de/2018/09/07/geschuetztes-wohnen/

Aus der Rubrik “Stadtentwicklungspolitik”:

nd am 07.09.2018: LINKE und Grüne zweifeln an SPD-Vorschlägen

Sozialdemokratischer Fraktionschef Raed Saleh möchte Milieuschutz für die ganze Stadt

Der Alternative Mieter- und Verbraucherschutzbund weist per Twitter darauf hin, dass in Spandau zumindest das derzeit laufende Grobscreening, eine Vorstufe zur Identifizierung von Kiezen, in denen die Bewohner von Verdrängung bedroht sind, abzuwarten sei.

Katrin Schmidberger, wohnungspolitische Sprecherin der Grünen, zeigt sich schwer genervt. »Derzeit scheinen sich die SPD-Spitzenmänner wöchentlich in mietenpolitischen Forderungen übertrumpfen zu wollen. Diese Strategie wird aber nicht aufgehen, denn der SPD fehlt die Glaubwürdigkeit bei diesem Thema«, sagt sie dem »nd«.

Es sei zwar positiv, dass die SPD jetzt Forderungen nach mehr Milieuschutz für ganz Berlin aufgreife »und endlich versteht, dass der Schutz von Bestandsmieter*innen zentral ist«, so Schmidberger weiter. Doch müssten die Sozialdemokraten mit gutem Beispiel vorangehen und dort, wo sie in Verantwortung stehen, auch handeln. »So könnten in Treptow-Köpenick oder Lichtenberg durchaus mehr Milieuschutzgebiete eingerichtet werden«, sagt sie. Und auch das Vorkaufsrecht könnte dort oft zum Zuge kommen – »und nicht wie bisher gerade einmal«.

Die Forderung, aus ganz Berlin ein Milieuschutzgebiet zu machen, klinge zunächst mieterfreundlich und sei auch zu begrüßen, so Schmidberger. »Sie ist jedoch kaum haltbar, da das Baugesetzbuch vorschreibt, dass die Gebiete juristisch und städtebaulich abgetrennte Bereiche sein müssen.« Dennoch forderten auch die Grünen eine Ausweitung und wollen bis zum Ende der Legislatur mindestens 1,5 Millionen Menschen mit Milieuschutzgebieten schützen.

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1099672.linke-und-gruene-zweifeln-an-spd-vorschlaegen.html

Aus der Rubrik “Stadtentwicklungspolitik”:


DER TAGESSPIEGEL am 06.09.2018 – Stadtentwicklung: 
SPD-Fraktionschef Saleh will ganz Berlin unter Milieuschutz stellen

Berlins SPD-Fraktionschef Saleh hat eigene Vorstellungen von Stadtentwicklung. Sein Vorschlag für einen umfassenden Milieuschutz wäre wohl nicht gerichtsfest.

Die einen tun es, die anderen nicht – SPD-Fraktionschef Raed Saleh will es erzwingen: Nicht Gebiete, sondern gleich ganz Berlin unter Milieuschutz stellen. Eben das hat der Politiker einem Reporter des RBB-„Inforadios“ ins Mikrofon gesprochen und damit vor allem eins bewiesen: dass er sich in Fragen der Stadtentwicklung, sagen wir, eher nicht für höhere Weihen empfiehlt.

https://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtentwicklung-spd-fraktionschef-saleh-will-ganz-berlin-unter-milieuschutz-stellen/23006390.html

Aus der Rubrik “Wohnungsbau”:


Berliner Zeitung am 06.09.2018: Neue Wohnungen in Friedrichshain-Kreuzberg – Kann man bald über dem BSR-Areal wohnen?

Das Areal der Berliner Stadtreinigung (BSR) an der East Side Gallery könnte überbaut werden, das Regenwasserrückhaltebecken am Columbiadamm ebenfalls, und in der Nähe des Tempodroms könnte ein Wohnhochhaus entstehen. Florian Schmidt (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, präsentierte am 05.09.2018 spektakuläre Pläne.

Sein Bezirk habe der Stadtentwicklungsverwaltung zugesagt, in dieser Legislaturperiode den Bau von 6500 Wohnungen zu genehmigen, sagt Schmidt. Doch dabei soll es nicht bleiben. „Ich rechne damit, dass sich die Zahl um zehn Prozent erhöht“, so der Stadtrat. 

https://www.berliner-zeitung.de/berlin/neue-wohnungen-in-friedrichshain-kreuzberg-kann-man-bald-ueber-dem-bsr-areal-wohnen–31223410

Aus der Rubrik “Mieterproteste”:

Berliner Zeitung am 07.09.2018: Gegen steigende Mieten und Verdrängung – Demo vor dem Kanzleramt geplant

Wenn Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bauminister Horst Seehofer (CSU) am 21. September Vertreter der Immobilienwirtschaft zum Wohngipfel im Kanzleramt empfangen, müssen sie sich auf breiten Protest einstellen.

Mieter- und Sozialverbände wollen zunächst bei einem alternativen Wohngipfel am 20. September über Strategien gegen steigende Mieten, Verdrängung und Wohnungslosigkeit beraten – und am 21. September am Kanzleramt protestieren. Die Kundgebung auf dem Washingtonplatz soll um 14 Uhr beginnen.

https://www.berliner-zeitung.de/berlin/gegen-steigende-mieten-und-verdraengung-demo-vor-dem-kanzleramt-geplant-31228838

Aus der Rubrik “Wohnungsbau”:

 

Berliner Morgenpost am 05.09.2018: Wohnungsbau – Grundstein für die Berliner Waterkant in Spandau gelegt

Neue Wohnungen um das Gebiet in der Wasserstadt Oberhavel: Am 05.09.2018 wurde der Grundstein für das erste Teilprojekt gelegt.

Es ist zurzeit einer der größten Schwerpunkte für Wohnungsbau in der Stadt: das Gebiet in der Wasserstadt Oberhavel in Spandau. In verschiedenen Projekten von privaten wie kommunalen Investoren sollen hier in den kommenden Jahren insgesamt mehr als 7500 Wohnungen entstehen. Die beiden landeseigenen Wohnungsgesellschaften Gewobag und WBM bauen hier bis circa 2025 ein Quartier mit rund 2500 neuen Wohnungen. Nachdem die Bauarbeiten im Juli begonnen haben, wurde am Mittwoch nun der Grundstein für das erste Teilprojekt gelegt und der Name des neuen Quartiers präsentiert: Waterkant Berlin.

Bis Mitte 2020 sollen im ersten Teilabschnitt 362 Wohnungen entstehen, davon 120 preisgebunden. Die Mieten beginnen ab sechs Euro pro Quadratmeter. „Das Schaffen von bezahlbaren Wohnraum ist eine der zentralen Aufgaben in der Stadt“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) bei der Grundsteinlegung. Das Gebiet in der Wasserstadt und ganz Spandau seien dabei große Entwicklungsräume für Berlin.

https://www.morgenpost.de/bezirke/spandau/article215260747/Grundstein-fuer-die-Berliner-Waterkant-in-Spandau-gelegt.html