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AMV im Lichte der Presse:

Spandauer Volksblatt am 08.09.2021: ADLER Westgrund zeigt die Krallen
Immobilienunternehmen will die Mieten in der Rudolf-Wissell-Siedlung erhöhen
Das Gebiet gilt nicht unbedingt als Wohngegend für Betuchte. Manche Mieter der Rudolf-Wissell-Siedlung haben schon jetzt Probleme, ihre monatliche Miete zusammen zu bekommen. Künftig könnte das noch schwieriger werden.
Zum 1. November hat die ADLER Westgrund Mieterhöhungen angekündigt. Dem Immobilienunternehmen gehört ein Großteil der Wohnungen in der Siedlung. Rund 700 der 779 Wohneinheiten wären vom Kostenanstieg betroffen, heißt es in einer Mitteilung der Linkspartei. Bewohner am Pillnitzer Weg, Loschwitzer Weg und Cosmarweg hätten entsprechende schriftliche Ankündigungen erhalten.
Marcel Eupen vom Alternativen Mieter- und Verbraucherschutzbund (AMV) hält die von der Linkspartei genannte Zahl an betroffenen Mietern für realistisch. Der AMV bietet jeden Montag in dem Kiez Sprechstunden an und wurde von mehreren Betroffenen aufgesucht. Nach Eupens Einschätzung sind die Mieterhöhungen als ungerechtfertigt anzusehen. Mieten könnten nur angehoben werden, wenn das Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete noch nicht erreicht worden sei, erklärte er. Das wäre aber bereits der Fall gewesen. Die Miete lag schon jetzt höher, als für diese Gegend gerechtfertigt.
Die Steigerung werde nicht zuletzt mit einer Aufwertung des Wohnumfeldes begründet. Von einem besonders aufgewerteten Wohnumfeld könne nicht die Rede sein. Es könne vielleicht als normal bezeichnet werden. Habe aber sicher nicht das Ambiente einer Seniorenresidenz. Marcel Eupens Rat deshalb: Die Betroffenen sollten dem verlangten Mehr an Miete erst einmal nicht zustimmen, sondern sie rechtlich prüfen lassen.
Dass die ADLER Westgrund gerade jetzt mit seinem Erhöhungsbegehren vorstellig wird, verwundert viele. Bei den Wahlen am 26. September wird auch über den Volksentscheid zum Enteignen großer Wohnungsunternehmen abgestimmt. Dass ein solches Unternehmen im Vorfeld an der Preisschraube drehen will, liefert der Enteignungsinitiative weitere Argumente.
Die Adler Westgrund gehört zum in diesem Jahr neu formierten Immobilienkonzern Adler Group. In seinem Besitz sind ungefähr 70 000 Wohnungen, davon etwa 20 000 in Berlin. Dem Unternehmen sei die Stimmung in der Stadt wohl nicht bewusst, vermutet Marcel Eupen. Vielleicht habe ein Computer Steigerungspotenzial in der Rudolf-Wissell-Siedlung erkannt. Und danach seien die Schreiben rausgeschickt worden.

AMV im Lichte der Presse:

Berliner Kurier am 01.09.2021 – Wohngebiet Heerstraße-Nord: Im Viertel der kleinen Einkommen: 700 Mieter sollen mehr Miete zahlen

Im Gebiet Heerstraße-Nord in Staaken leben viele Menschen mit niedrigen Einkommen. Eine Mieterhöhung der Adler Group, der in Berlin fast 20.000 Wohnungen gehören, sorgt jetzt für Unruhe unter den Bewohnern. „Ganz schön happig“ sei die Mieterhöhung, sagt die 81-jährige Christa Degner aus dem Pillnitzer Weg. Von 476,77 Euro soll die Miete für ihre 59 Quadratmeter große Wohnung zum 1. November auf 515,10 Euro (warm) steigen – eine Erhöhung um 38,33 Euro monatlich. So hat es ihr die Adler Group im Mieterhöhungsschreiben mitgeteilt.

Das bedeute für sie, sagt Christa Degner, dass sie Abstriche bei der privat bezahlten Unterstützung im Haushalt machen müsse. So wie der 81-Jährigen geht es vielen anderen Mietern an der Heerstraße-Nord. „Die Mieter, die zu mir in die Beratung kommen, sind wegen der Mieterhöhungen völlig aufgelöst“, sagt Marcel Eupen, Vorsitzender des Alternativen Mieter- und Verbraucherschutzbundes (AMV), der in Staaken einmal in der Woche eine kostenlose Mieterberatung anbietet. „Bei vielen reicht das Geld schon jetzt gerade so, dass sie über die Runden kommen“, sagt Eupen. „Wenn sie jetzt – wie in einigen Fällen –  fast 40 Euro monatlich mehr für die Miete zahlen sollen, überfordert sie das endgültig finanziell.“

Wie viele Mieter mehr zahlen sollen, ist unklar. Die Linke, die die Rücknahme der Erhöhungen verlangt, spricht von zirka 700 betroffenen Wohnungen. Von der Adler Group war keine Stellungnahme zu erhalten. AMV-Chef Eupen rät den Mietern, die Mieterhöhungen rechtlich prüfen zu lassen und nicht voreilig zuzustimmen. „Die bisher vom AMV überprüften sieben Mieterhöhungsverlangen waren allesamt überhöht“, sagt er. Der AMV sei jeweils zu dem Ergebnis gekommen, dass bereits die momentan gezahlte Miete zu hoch sei, die Mieterhöhungsverlangen folglich unbegründet seien und die Mieter diesen nicht zustimmen müssen.

Falsche Obergrenzen genannt

Es scheine so, dass der zuständige Sachbearbeiter „weder die rechtlichen Rahmenbedingungen in Berlin noch die örtlichen Gegebenheiten“ kenne, so Eupen. Anders lasse sich nicht erklären, warum in den Mieterhöhungen von einer Kappungsgrenze von 20 Prozent die Rede sei, obwohl diese seit Jahren in Berlin nur 15 Prozent betrage. Das heißt, dass die Mieten in drei Jahren um maximal 15 Prozent steigen dürfen, nicht um 20 Prozent. Hintergrund: Berlin gilt als angespannter Wohnungsmarkt, wodurch die gesetzlichen Spielräume für Mieterhöhungen auf 15 Prozent begrenzt sind. Erhöht werden darf die Mieter aber nur, soweit die ortsübliche Miete nicht schon erreicht oder überschritten ist. Ebenfalls unverständlich ist für AMV-Chef Eupen, warum die Adler Group für die Siedlung von einem aufwändig gestaltetem Wohnumfeld ausgeht. „Das trifft nicht zu“, sagt Eupen.

Während die Mieter in Staaken in Sorge sind, wie sie künftig die Miete bezahlen sollen, veröffentlichte die Adler Group am Dienstag ihr Halbjahresergebnis. Danach steigerte der Konzern, der insgesamt knapp 70.000 Wohnungen in verschiedenen Städten besitzt, die Mieten auf vergleichbarer Fläche um 4,3 Prozent. In Berlin stiegen die Mieten dabei um vier Prozent. Der Gewinn aus dem operativen Geschäft belief sich in den ersten sechs Monaten auf 67,8 Millionen Euro. Nach der Aufhebung des Berliner Mietendeckels sieht Adler „ein durchschnittliches Wertaufholungspotenzial von etwa 20 Prozent auf die aktuellen Marktmieten im gesamten Wohnungsportfolio“, wie der Konzern mitteilte.

Sozialarbeiter rät zur Überprüfung der Erhöhung

„Taktisch unkluger“ hätte die Adler Group bei den Mieterhöhungen in Staaken nicht handeln können, sagt Mieterberater Eupen. Ihm sei „unbegreiflich, wie ein börsennotiertes Unternehmen mitten in der Pandemiezeit einen Monat vor dem Volksentscheid über die Vergesellschaftung der Wohnungsbestände großer Wohnungsunternehmen eine Mieterhöhungskampagne in einer sozial benachteiligten Siedlung starten könne. Am 26. September, am Tag der Wahlen zum Bundestag und zum Abgeordnetenhaus, können die Berliner über die Vergesellschaftung abstimmen.

Tom Liebelt, Sozialarbeiter im Stadtteilzentrum Staaken Treff Obstallee, sagt: „Ich hoffe, dass viele Mieter die Erhöhung auf ihre Rechtmäßigkeit überprüfen lassen. Nicht nur diejenigen, die die Miete selbst bezahlen, sondern auch alle anderen.“ Also jene Haushalte, bei denen die Miete durch das Jobcenter oder das Sozialamt bezahlt wird. Liebelt: „Denn falls die Mieterhöhungen nicht gerechtfertigt sind, sollten dafür keine Steuermittel ausgegeben werden.“

https://www.berliner-kurier.de/berlin/mieterhoehungen-im-viertel-der-kleinen-einkommen-li.180108

 

AMV im Lichte der Presse:

Berliner Morgenpost am 22.07.2021: Vermüllung – Anwohner wollen wieder eigene Hausmeister
Nur elf Personen kümmern sich um die rund 5400 Gewobag-Wohnungen in Spandau. Mieter wünschen sich eine Reintegration der Dienste.
Berlin. Petra Winter fühlt sich, als würde sie irgendwann im Schmutz umkommen. „Ich habe zwei Hunde, denen verbiete ich, sich im Fahrstuhl hinzusetzen“, erklärt die Mieterin aus der Großsiedlung Heerstraße Nord in Staaken, „die würden da nur mit ihrem Fell festkleben.“ Ständig sei etwas in der von der Gewobag betreuten Wohnsiedlung verschmutzt. Es ist ungepflegt und voller Ratten. Überall liege Müll und ist etwas kaputt, dauere es viel zu lange, bis endlich etwas getan werde und wirklich mal ein Zuständiger vorbeikommt, klagt Winter.
„Wir dürfen nicht einmal selbst ein Fahrstuhl-Unternehmen anrufen, so wie früher, das geht alles zentral über den Gewobag-Reparaturservice, der dann auch letztendlich und vor allem langwierig über den Auftrag entscheidet“, so Winter weiter. „Zuletzt war monatelang die Beleuchtung im Vorhaus kaputt. Bis sich mal jemand gekümmert hat, mussten wir abends oft im Stockdunklen versuchen, ins Haus zu kommen.“ Früher, da sei man einfach über die Straße zum Hauswart gegangen, habe sein Problem erläutert und schon am gleichen Tag Hilfe bekommen.

Gewobag übernahm 3400 Wohnungen von ADO

Früher, das war bevor das kommunale Wohnungsunternehmen Gewobag 2019 circa 3400 Wohnungen des ehemaligen luxemburgischen Immobilienkonzerns ADO (heute Adler Group) in Staaken übernahm, darunter auch Winters Einheit in der Obstallee. Seit dem wurde bei Reinigungsdienstleistungen massiv eingespart, so der Eindruck der Anwohner. Jetzt kümmere sich nur noch ein einziger Hauswart um den ganzen Straßenzug.
Rekommunalisierung wird in Spandaus Kiezen – wie etwa in der Siedlung An der Kappe – oft als Rettung vor privater „Heuschrecken-Mentalität“ herbeigesehnt. In der Heerstraße Nord scheint sie eher das Problem zu sein. Denn um ihre Strukturen schlanker und effizienter zu gestalten, lagerten die landeseigenen Wohnungsunternehmen Anfang der 2000er Hausmeisterdienste vielfach komplett an Fremdfirmen aus. Oder gründeten spezielle Tochterunternehmen und veräußerten diese dann wieder. Mit spürbaren Folgen.
„Der Gewobag ist ihr Wachstumskurs nicht bekommen“, sagt Marcel Eupen, erster Vorsitzender des Alternativen Mieter- und Verbraucherschutzbunds (AMV), „die Übernahme von der ADO zeigt leider, dass mit der Kommunalisierung nicht immer alles besser wird.“ So waren bei den Mieterinnen und Mietern der Großsiedlung Heerstraße Nord durchaus große Hoffnungen auf Besserungen mit dem Besitzerwechsel verbunden, die allerdings bitter enttäuscht wurden.
„Die Zustände bezüglich Sicherheit, Sauberkeit und Service haben sich seit 2019 nicht verbessert, sondern sehenden Auges erheblich verschlechtert“, betont Eupen. „Es besteht dringender Handlungsbedarf, damit die Gewobag in der Großsiedlung Heerstraße Nord ihrem gesellschaftlichen Wohnraumversorgungsauftrag nachkommt“.

Reintegration der Hausmeister- und Reinigungsdienstleistungen gefordert

Ein erster, immens wichtiger Schritt hierzu sei schon die dringend notwendige Reintegration der Hausmeister- und Reinigungsdienstleistungen in die Gewobag. Immerhin gehören dem Unternehmen seit der Übernahme in Staaken mittlerweile rund 5400 Wohnungen. Für diese sind aber wiederum nur insgesamt elf extern angestellte Hausmeister zuständig.
„Das erklärt auch die vielen Beschwerden im Gebiet“, glaubt die Spandauer Linken-Abgeordnete Franziska Leschewitz. „Ich unterstütze daher die Forderungen nach einer Reintegration, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Und damit auch die Qualität der Arbeit.“
Im Juni erst hatte ein Bündnis, dem auch der Mieterrat der Gewobag angehört, in einem offenen Brief unter anderem an Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel (Linke), Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) und Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) auf die Missstände hingewiesen. Knackpunkt ihrer Argumentation: die Gewobag verkaufte 2011 im Rahmen einer Umstrukturierung ihr Hausmeister-Tochterunternehmen Gewobag HS an die Firma fletwerk, ein gemeinsames Unternehmen der Firmen Gegenbauer, B&O sowie 3B.
Seit dem klagen die Beschäftigten dort über niedrige Löhne, Sozialleistungen und Arbeitschutzstandards – was sich unmittelbar auch auf die zunehmend negative Qualität der Arbeit auswirke, so das Schreiben. Oder wie Petra Winter es ausdrückt: „Viele der neuen Hausmeister sind frech und interessieren sich nicht für unsere Probleme.“ Das Bündnis fordert daher wieder Quartier- und objektbezogene Hausmeister, die einen festen Bestand haben und für die Mieter vor Ort auch echte Ansprechpartner sind.

Projektgruppe gegen die Vermüllung

Und wie reagiert die Gewobag auf diese Vorschläge? „Wir haben mit unseren Dienstleistern kompetente Partner an unserer Seite, mit denen wir im stetigen Austausch stehen, um die Prozesse zu optimieren“, so Gewobag-Sprecherin Monique Leistner zu den externen Hausmeistern, „allerdings sind die Hauswarte nicht die ersten Ansprechpartner für Mieter. Unsere Mieter können sich an das Service Center, an den Reparaturservice und den 24 h-Notdienst wenden.“
Mangelnde Ordnung und Sauberkeit würden zudem in vielen größeren Wohnsiedlungen den Berliner Alltag kennzeichnen. „Für die Lösung dieser Problematik ist die Gewobag auch auf die Unterstützung und den verantwortungsbewussten Umgang unserer Mieterinnen und Mieter angewiesen“,so Leistner, „wir arbeiten bei der Rattenproblematik außerdem in enger Abstimmung mit einem Schädlingsbekämpfer zusammen, der im Quartier in unserem Auftrag entsprechende Maßnahmen durchführt.“
Zudem habe die Gewobag eine Projektgruppe mit Mietervertretern eingerichtet, in der gemeinsam Maßnahmen für mehr Ordnung und Sauberkeit in den Quartieren erarbeitet werden.

Übernahme der ADO-Bestände ist große Herausforderung

In den Antworten auf zwei schriftliche Anfragen der Linken-Politikerin Leschewitz spricht an anderer Stelle Wohnungsbaustaatssekretärin Wenke Christoph (Linke) für das kommunale Unternehmen, über das die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen die Fachaufsicht führt. „Die Übernahme der ehemaligen ADO-Bestände war und ist eine große Herausforderung für die Gewobag“, so Christoph, „bei der sich die nachfolgenden Prozesse in der Kommunikation mit den Mietern verbessern werden.“
Zu einer Reintegration der Hausmeister äußerte sich die Gewobag jedoch nicht. In der Vergangenheit wurden ähnliche Anfragen zur Wiederinbetriebnahme eines Sicherheitsdienstes oft als nicht wirtschaftlich abgelehnt.
Für Leschewitz ist es derweil typisch, dass die Mieter vor Ort in der Müll-Problematik letztendlich selbst aktiv werden mussten. „Die Gewobag musste regelrecht zum Jagen getragen werden“, so die Politikerin, „dabei sollte sie die Herstellung der Sauberkeit, sowohl beim Müll, als auch bei der Ungezieferbekämpfung, zu ihrer Toppriorität im Quartier machen.“ Man drohe jedenfalls die durchaus vorhandene Euphorie über den kommunalen Rückkauf der Wohnungen in Staaken langfristig zu verspielen.

AMV im Lichte der Presse:

Berliner Morgenpost am 01.09.2021: Staakener Anwohner empört über Mieterhöhungen
Kritisiert wird die Adler Group vor allem für den Zeitpunkt der Mieterhöhungen. Aber es gibt auch aus anderen Gründen Unmut.
Eine gehobene Gegend sieht für Regina Lehmann anders aus. „Ich finde, man müsste uns eher Geld geben dafür, dass wir hier wohnen“, sagt die Mieterin einer Einheit im Cosmarweg in Staaken, „Hier in der Umgebung und am Haus ist schon lange nichts mehr gemacht worden, wenn man auf Missstände durch andere Anwohner hinweist, passiert auch nichts.“ So sei etwa die Eingangstür seit Ewigkeiten schon kaputt. Jeder könne einfach in das Wohngebäude rein und raus. „Manchmal fühle ich mich wie im Ghetto“, gibt Lehmann offen zu.
Der Grund für diese drastischen Worte: eine Mieterhöhung der 2020 zum Immobilienkonzern Adler Group fusionierten Firmen ADO, Adler und Consus zum 1. November. Diese fällt in unterschiedlicher Höhe an. Für Lehmann etwa sind es um die zwölf Euro. „Für eine dunkle, kalte und schlecht geschnittene Wohnung wie die meine zu viel“, findet sie.

Rund 700 Wohnungen in Staaken von Mieterhöhungen betroffen

Betroffen von den Erhöhungen sind rund 700 der 779 Wohneinheiten der Rudolf-Wissell-Siedlung im Quartier Heerstraße Nord an Loschwitzer-, Pillnitzer- und Cosmarweg. Die einhellige Begründung der Adler Group: Sanierungen und ein aufwendig gestaltetes Wohnumfeld. Dabei stammen die Wohnungsbestände aus dem Jahr 1972 und sind seit dem vielfach gar nicht modernisiert worden.
Inwiefern der Umstand eine Rolle spielt, dass die Adler Real Estate AG – wie zuletzt das „Handelsblatt“ berichtete – durch die Fusion fast eine halbe Milliarde Euro abschreiben musste, sei einmal dahin gestellt. Auf Anfragen der Berliner Morgenpost hierzu reagierte der Konzern nicht.
Die Empörung über den Schritt des Immobilienunternehmens ist jedenfalls groß. Vor allem der Zeitpunkt kurz vor den Wahlen am 26. September sorgt für Unverständnis. Für die Spandauer Linken bietet indes genau dieser Fakt politische Möglichkeiten, um ihr Wahlprogramm noch einmal deutlich zu untermauern.

Mieterhöhungen als Argumente für Mietendeckel und Enteignung

„Adler muss die Mieterhöhungsverlangen sofort zurücknehmen“, sagt etwa die Spandauer Bundestagsabgeordnete Helin Evrim Sommer (Linke), „gerade in Zeiten von Corona, wo viele Menschen in finanzielle Nöte geraten sind, sind Mieterhöhungen ein Skandal.“ Die unsanierten Wohnungsbestände würden zudem keine höheren Mieten rechtfertigen. „Das Beispiel zeigt: Wir brauchen jetzt einen bundesweiten Mietendeckel“, so Sommer.
Ähnlich drastisch formuliert es Marcel Eupen, erster Vorsitzender des Alternativen Mieter- und Verbraucherschutzbunds (AMV): „Taktisch unklüger hätte die Adler Group den Zeitpunkt für ihre Mieterhöhungen in einer sozial benachteiligten Siedlung nicht wählen können. Die Initiative ‘Deutsche Wohnen & Co enteignen’ wird es freuen. Bessere Werbung konnte die Adler Group für das Volksbegehren nicht betreiben.“

Adler Group auch an Lösungen interessiert

Doch nicht überall in Staaken fallen die Meinungen zu den Erhöhungen gleich aus. Die politische Instrumentalisierung stößt etwa Sigrid Brune von der Initiative Runder Tisch – Wohnen in der Großwohnsiedlung Heerstraße Nord übel auf. „Niemand freut sich über höhere Mieten, aber ich will keine DDR 2.0.“, sagt sie. Ab November muss auch Brune 20 Euro mehr zahlen. „Enteignungen sollten eine extreme Ausnahme bleiben“, so die Mieterin. Gleichwohl müsse die Politik Eigentümer mehr in die Pflicht nehmen, um für faire Mieten zu sorgen.
„Es gibt hier in der Tat viele Probleme im Kiez, aber man kann nicht sagen, dass die Adler Group nie etwas dagegen getan hätte“, erklärt Brune. So seien zuletzt erst in vielen Einheiten die Fahrstühle erneuert worden. Die Adler-Vertreter engagierten sich offen am Runden Tisch, um Missstände gemeinsam mit den Mietern zu beseitigen. Richtig sei aber, dass das Unternehmen seit der Übernahme vielfach mit alten Informationen arbeite und die Wohnungen im Einzelnen oft gar nicht kenne.

Mieterhöhungsverlangen in jedem Fall prüfen lassen

„Ich empfehle daher jedem, seine Mietererhöhung individuell prüfen zu lassen“, sagt Brune. Das unterstützt auch AMV-Chef Eupen, der selbst Mieterhöhungsverlangen kontrolliert: „Die bisher vom AMV überprüften sieben Mieterhöhungsverlangen waren allesamt überhöht.“ Der AMV sei dabei sogar jeweils zu dem Ergebnis gekommen, dass bereits die momentan gezahlte Miete zu hoch ist. Die Mieterhöhungsverlangen seien folglich unbegründet und die Mieterinnen und Mieter müssten nicht zustimmen, so Eupen weiter.
Auch der Linken-Fraktionsvorsitzender Lars Leschewitz ruft dazu auf: „Lassen Sie die Mieterhöhungsverlangen überprüfen! Wehren Sie sich! Oft sind die Mieterhöhungsverlangen fehlerhaft und können ganz oder teilweise abgewehrt werden.“ Möglich ist eine Überprüfung auch im Stadtteilzentrum Gemeinwesenverein Heerstraße Nord an der Obstallee 22.
https://www.morgenpost.de/bezirke/spandau/article233199295/Staakener-Anwohner-empoert-ueber-Mieterhoehungen.html

AMV im Lichte der Presse:

Berliner Zeitung am 01.09.2021 – Staaken: Mieterhöhungen im Viertel der kleinen Einkommen
Die Adler Group verlangt mehr Geld für Wohnungen im Gebiet an der Heerstraße-Nord. Die Bewohner stellt das vor finanzielle Probleme.
Im Gebiet Heerstraße-Nord in Staaken leben viele Menschen mit niedrigen Einkommen. Eine Mieterhöhung der Adler Group, der in Berlin fast 20.000 Wohnungen gehören, sorgt jetzt für Unruhe unter den Bewohnern. „Ganz schön happig“ sei die Mieterhöhung, sagt die 81-jährige Christa Degner aus dem Pillnitzer Weg. Von 476,77 Euro soll die Miete für ihre rund 59 Quadratmeter große Wohnung zum 1. November auf 515,10 Euro (warm) steigen – eine Erhöhung um 38,33 Euro monatlich. So hat es ihr die Adler Group mitgeteilt.
Das bedeute für sie, sagt Degner, dass sie Abstriche bei der privat bezahlten Unterstützung im Haushalt machen müsse. So wie der 81-Jährigen geht es vielen anderen Mietern an der Heerstraße-Nord. „Die Mieter, die zu mir in die Beratung kommen, sind wegen der Mieterhöhungen völlig aufgelöst“, berichtet Marcel Eupen, Vorsitzender des Alternativen Mieter- und Verbraucherschutzbundes (AMV), der in Staaken einmal pro Woche eine kostenlose Mieterberatung anbietet. „Bei vielen reicht das Geld schon jetzt gerade so, dass sie über die Runden kommen“, sagt Eupen. „Wenn sie jetzt – wie in einigen Fällen –  fast 40 Euro monatlich mehr für die Miete zahlen sollen, überfordert sie das endgültig finanziell.“

AMV im Lichte der Presse:

nd am 31.08.2021: Asbest bleibt in der Luft

Sanierungsziel 2030 für Berliner Wohnungsbestand abgesagt

»Es hat sich viel zu wenig getan«, beklagt Marcel Eupen, erster Vorsitzender des Alternativen Mieter- und Verbraucherschutzbundes (AMV). Gemeint ist die Umsetzung der 2018 vom Abgeordnetenhaus in einem Beschluss geforderten Strategie »Gesund und asbestfrei wohnen in Berlin«. Eupens Prognose: Das im Koalitionsvertrag von 2016 von SPD, Linke und Grünen vereinbarte Ziel »Asbestfreie Hauptstadt 2030« wird scheitern.
Anlass ist der im August von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vorgelegte vierte Jahresbericht, der wenig Fortschritt erkennen lässt. Für das Projekt einer zentralen telefonischen Asbestberatung seien Dienstleistungsbeschreibungen »durch die fachlich zuständigen Behörden« erarbeitet worden, die »zeitnah« in die Dienstleistungsdatenbank eingepflegt werden sollen, damit an der zentralen Behördenrufnummer 115 Auskünfte dazu gegeben werden können. In der ersten Phase, deren »Zeitraum noch festzulegen ist«, sollen »Erkenntnisse über das Anrufaufkommen gesammelt und ausgewertet« werden, heißt es. Schließlich werde »abschließend zu bewerten sein, welche weiteren Schlüsse daraus gezogen werden, wie weiter vorgegangen wird«.
Für die »Prüfung der Umsetzbarkeit« eines öffentlich verfügbaren Asbestregisters sei Ende März 2021 eine Machbarkeitsstudie an ein externes Ingenieurbüro vergeben worden. Der Bericht soll im Oktober vorliegen.
Dürftig sieht es auch im Bereich der Sanierungsstrategien zur Beseitigung von Asbestbauteilen und Asbestbelastungen aus. Im Bericht ist die Rede davon, dass offene Grundsatzfragen − wie zum Beispiel die technische Definition einer »Asbestfreiheit« sowie Fragestellungen zu Kosten, zum zeitlichen Aufwand und zur Anwendung von diversen Untersuchungsmethoden − geprüft und bewertet würden.
»Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass insbesondere im privaten Wohngebäudebereich nicht bekannt ist, welche Art von Asbest wo legal verbaut wurde, wird ein Sanierungsziel ›asbestfrei‹ – auch unter Anwendung einer adaptierten Definition und abgesehen von Kosten – mit Zeithorizonten 2030 als nicht realisierbar bewertet«, so das betrübliche Fazit.
»Es gibt bisher nach wie vor nur ein gemeinsames ressortübergreifendes Arbeitsgremium, aber noch keine umsetzbaren Ergebnisse«, beklagt AMV-Chef Marcel Eupen. Das sei seit dem Beschluss von 2018 mehr als unzureichend. »Hier hat die Koalition in dieser Legislaturperiode versagt und gefährdet das Ziel einer asbestfreien Hauptstadt im Jahr 2030«, kritisiert Eupen.
»Bedenkt man, dass die Gesundheit das höchste Gut des Menschen und eine Gesundheitsgefährdung beim Austritt von Asbestfasern sehr hoch ist, da bereits eine einzelne Faser die Gesundheit schädigen und zu einer tödlichen Erkrankung führen kann, so ist der momentane Umgang des Senats mit dem Asbestproblem unakzeptabel«, sagt Marcel Eupen.
Die Stadtentwicklungsverwaltung sah sich auch nach Tagen außerstande, auf nd-Anfrage auf die Vorwürfe einzugehen.
Nach wie vor fehlt wegen des mangelnden Fortschritts allein schon eine Übersicht, wie viele Wohnungen in der Hauptstadt tatsächlich mit Asbest belastet sind. Schätzungen gehen von 100.000 aus. Ende 2020 ging es bei den sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sowie der Berlinovo alleine um fast 50.000 Wohnungen. Wegen fehlender Angaben im Vorjahr ist kein Vergleich möglich. Durch Zukäufe kann der Bestand weiter zunehmen.
Mit am häufigsten findet sich Asbest in sogenannten Floorflex-Platten, einem oft in der Erbauungszeit genutzten Bodenbelag. Auch Rohre, Müllschacht- oder Fassadenverkleidungen, Fliesenkleber und weitere Materialien können den krebserregenden Baustoff enthalten, der wegen seiner isolierenden und brandhemmenden Eigenschaften sehr geschätzt wurde. Solange die entsprechenden Bauteile unbeschädigt sind und deswegen keine Fasern freisetzen können, geht keine unmittelbare Gefahr von Asbest aus. Allerdings sind durch Reparaturen oder auch heimwerkende Mieterinnen und Mieter oft unerkannte Beschädigungen bekannt.
Andreas Otto, baupolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus, treibt das Thema Asbest seit Jahren um. Zahlreiche Schriftliche Anfragen zeugen davon. »Die Kritik des AMV ist berechtigt«, sagt er zu »nd«. »Mich schmerzt, dass wir als Koalition beim wichtigen Asbestthema kaum vorangekommen sind«, so Otto weiter. Die beschlossene Beratungsstelle sei nicht eingerichtet, die Rechtsgrundlagen für das Asbestregister seien nicht geschaffen worden. Außerdem sei die durch das Abgeordnetenhaus mit dem Haushalt 2020/21 beschlossene finanzielle Förderung des Ausbaus von Asbestbauteilen von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung beerdigt worden.
»Einziger Lichtblick ist, dass die landeseigenen Unternehmen gezielt asbestbelastete Wohnungen ankaufen. Diese müssen nun schnellstmöglich saniert und von dem giftigen Baustoff befreit werden«, sagt Andreas Otto. Die nächste Bausenatorin oder der Bausenator müsse das Thema Asbest in Wohngebäuden persönlich voranbringen. »Wir Bündnisgrüne stehen dafür bereit«, so Otto.

AMV im Lichte der Presse:

Berliner Zeitung am 03.06.2021: Deutsche Wohnen – Berlin soll offenbar asbestbelastete Wohnungen kaufen
Grüne verlangen Aufklärung über Zahl der schadstoffbelasteten Unterkünfte, die die landeseigenen Gesellschaften beim geplanten Milliarden-Deal erwerben sollen.
Unter den 20.000 Wohnungen, die die Deutsche Wohnen und Vonovia dem Land Berlin im Zuge ihrer geplanten Fusion verkaufen wollen, befinden sich offenbar auch asbestbelastete Immobilien. Das geht jedenfalls aus übereinstimmenden Aussagen mehrerer Politiker und Mietervertreter hervor. Während die Grünen am Mittwoch Aufklärung über das Ausmaß der Schadstoffbelastung verlangten, sicherte Bau-Staatssekretärin Wenke Christoph (Linke) im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses zu, dass eine mögliche Schadstoffbelastung bei der Kaufpreisermittlung berücksichtigt werde.
„Es kann nicht sein, dass das Land Berlin das alte Asbestproblem der Deutsche Wohnen löst und dies auch noch durch den Kaufpreis belohnt“, sagte die Grünen-Abgeordnete Katrin Schmidberger nach der Ausschussberatung. „Ich fordere Aufklärung vom Senat, wie viele der 20.000 Wohnungen asbestbelastet sind, wie hoch der jeweilige Sanierungsaufwand ist und inwiefern sich dies im Kaufpreis widerspiegelt“, so Schmidberger. Es handele sich ganz offensichtlich um „Problembestände“, sagte der AfD-Abgeordnete Harald Laatsch. Höchstpreise seien hier „ganz sicher nicht gerechtfertigt“. Staatssekretärin Christoph konnte zum Ausmaß der Schadstoffbelastung nichts sagen, erklärte aber, soweit eine Asbestbelastung bekannt sei oder in Erfahrung gebracht wird, werde dies in den Kaufverhandlungen eine Rolle spielen. Die Gespräche würden in dieser Woche beginnen.

Siedlungen liegen in mehreren Bezirken

Um welche Wohnungen es geht, ist bisher öffentlich weitgehend unklar. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte in der vergangenen Woche bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Deutsche Wohnen und Vonovia als Beispiele nur von der Thermometersiedlung in Lichterfelde Süd und vom „Falkenhagener Kiez“ in Spandau gesprochen, also der Siedlung im Falkenhagener Feld. In einem Brief an SPD-Mitglieder erwähnten Müller und Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) zudem „die Bestände rund um das Kottbusser Tor, die High-Deck-Siedlung in Neukölln“ sowie den Ernst-Lemmer-Ring in Zehlendorf. Bau-Staatssekretärin Christoph bestätigte im Stadtentwicklungsausschuss, dass die Angaben korrekt seien, wollte aber keine weiteren Standorte nennen.
Zumindest in der Spandauer Siedlung ist Asbest schon lange bekannt, weiß der Vorsitzende des Alternativen Mieter- und Verbraucherschutzbundes (AMV) Marcel Eupen. „Die Mieter im Falkenhagener Feld sind bereits 2013 darüber informiert worden, dass sich in ihren Wohnungen asbesthaltige Fußbodenbeläge befinden“, sagte er. „Einige der Wohnungen wurden zwar zwischenzeitlich asbestsaniert, doch dürfte es noch immer die ganz überwiegende Zahl der Wohnungen sein, die unsaniert sind“, so Eupen. „Erst im vorigen Monat wurde nach einem Wasserrohrbruch in einer Wohnung im Böhmerwaldweg eine solche Asbestbelastung festgestellt.“

Deutsche Wohnen steuert größeren Anteil zum Verkauf bei

Der Chef der Deutsche Wohnen Michael Zahn hatte am Dienstag auf der Hauptversammlung vor Aktionären erklärt, „wir verkaufen ausschließlich aus dem sogenannten nichtstrategischen Portfolio“. Das beinhalte Wohneinheiten, die die Deutsche Wohnen langfristig ohnehin nicht bewirtschaften wolle. Zu einer möglichen Schadstoffbelastung äußerte sich die Deutsche Wohnen auf Anfrage nicht. „Die Gespräche zu den möglichen Optionen sowie die Bewertung durch das Land Berlin laufen noch“, sagte Unternehmenssprecher Marko Rosteck. „Sobald es Konkretes zu berichten gibt, werden die Beteiligten darüber informiert.“
Immerhin ist eines klar: Der Löwenanteil der 20.000 Wohnungen soll nach den vorliegenden Angaben von der Deutsche Wohnen beigesteuert werden. Unternehmenschef Zahn hatte auf der Hauptversammlung davon gesprochen, dass weniger als 12.000 Wohnungen von seinem Unternehmen kommen, also rund 60 Prozent. In Berlin ist die Deutsche Wohnen mit rund 110.000 Wohnungen der größte private Vermieter. Die Vonovia folgt mit rund 41.500 Wohnungen auf Platz zwei.

Drei landeseigene Unternehmen an Verhandlungen beteiligt

Wie teuer der Wohnungskauf wird, ist unklar. Der einzige Hinweis dazu kommt bisher vom Finanzsenator. Dieser hatte erklärt, dass der Erwerb eher teurer als der Rückkauf des Stromnetzes mit 2,1 Milliarden Euro werde. Die Federführung in den Verhandlungen zum Kauf der 20.000 Wohnungen liegt bei der Senatsverwaltung für Finanzen. Beteiligt sind außerdem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die landeseigenen Unternehmen Berlinovo, Degewo und Howoge.
Die Linken-Abgeordnete Franziska Leschewitz, Mitglied des Gesundheitsausschusses, bezeichnete es als wichtig, dass die Asbestsanierung in den Wohnungen zügig stattfindet. „Dazu sollte die städtische Wohnungsbaugesellschaft, die die Bestände übernehmen soll, schon jetzt ein Sanierungskonzept erstellen“, erklärte Leschewitz.
https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/berlin-soll-offenbar-asbestbelastete-wohnungen-von-deutsche-wohnen-kaufen-li.162723

AMV im Lichte der Presse:

Berliner Kurier am 02.06.2021: Neuer Ärger auf dem Immobilienmarkt Berlin soll offenbar Asbest-Wohnungen von Deutsche Wohnen erwerben
Unter den 20.000 Wohnungen, die Deutsche Wohnen und Vonovia dem Land Berlin im Zuge ihrer geplante Fusion verkaufen wollen, befinden sich offenbar auch asbestbelastete Immobilien. Das geht jedenfalls aus übereinstimmenden Aussagen mehrerer Politiker und Mietervertreter hervor. Während die Grünen am Mittwoch Aufklärung über das Ausmaß der Schadstoffbelastung verlangten, sicherte Bau-Staatssekretärin Wenke Christoph (Linke) im Stadtentwicklungsausschuss des Abgeordnetenhauses zu, dass eine mögliche Schadstoffbelastung bei der Kaufpreisermittlung berücksichtigt werde.
„Es kann nicht sein, dass das Land Berlin das alte Asbestproblem der Deutsche Wohnen löst und dies auch noch durch den Kaufpreis belohnt“, sagte die Grünen-Abgeordnete Katrin Schmidberger nach der Ausschussberatung. „Ich fordere Aufklärung vom Senat, wie viele der 20.000 Wohnungen asbestbelastet sind, wie hoch der jeweilige Sanierungsaufwand ist und inwiefern sich dies im Kaufpreis widerspiegelt“, so Schmidberger. Es handele sich ganz offensichtlich um „Problembestände“, sagte der AfD-Abgeordnete Harald Laatsch. Höchstpreise seien hier „ganz sicher nicht gerechtfertigt“. Staatssekretärin Christoph konnte zum Ausmaß der Schadstoffbelastung nichts sagen, erklärte aber, soweit eine Asbestbelastung bekannt sei oder in Erfahrung gebracht wird, werde dies in den Kaufverhandlungen eine Rolle spielen. Die Gespräche würden in dieser Woche beginnen.

Siedlungen in verschiedenen Bezirken

Um welche Wohnungen es geht, ist bisher öffentlich weitgehend unklar. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte in der vergangenen Woche bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Deutsche Wohnen und Vonovia als Beispiele nur von der Thermometersiedlung in Lichterfelde Süd und vom „Falkenhagener Kiez“ in Spandau gesprochen, also der Siedlung im Falkenhagener Feld. In einem Brief an SPD-Mitglieder erwähnten Müller und Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) zudem „die Bestände rund um das Kottbusser Tor, die High-Deck-Siedlung in Neukölln“ sowie den Ernst-Lemmer-Ring in Zehlendorf. Bau-Staatssekretärin Christoph bestätigte im Stadtentwicklungsausschuss, dass die Angaben korrekt seien, wollte darüber hinaus aber keine weiteren Standorte nennen.
Zumindest in der Spandauer Siedlung ist Asbest schon lange bekannt, weiß der Vorsitzende des Alternativen Mieter- und Verbraucherschutzbundes (AMV) Marcel Eupen. „Die Mieter im Falkenhagener Feld sind bereits 2013 darüber informiert worden, dass sich in ihren Wohnungen asbesthaltige Fußbodenbeläge befinden“, sagte er. „Einige der Wohnungen wurden zwar zwischenzeitlich asbestsaniert, doch dürfte es noch immer die ganz überwiegende Zahl der Wohnungen sein, die unsaniert sind“, so Eupen. „Erst im vorigen Monat wurde nach einem Wasserrohrbruch in einer Wohnung im Böhmerwaldweg eine solche Asbestbelastung festgestellt.“

Deutsche Wohnen steuert Löwenanteil zum Verkauf bei

Der Chef der Deutsche Wohnen Michael Zahn hatte am Dienstag auf der Hauptversammlung vor Aktionären erklärt, „wir verkaufen ausschließlich aus dem sogenannten nichtstrategischen Portfolio“. Das beinhalte Wohneinheiten, die die Deutsche Wohnen langfristig ohnehin nicht bewirtschaften wolle. Zu einer möglichen Schadstoffbelastung äußerte sich die Deutsche Wohnen auf Anfrage nicht. „Die Gespräche zu den möglichen Optionen sowie die Bewertung durch das Land Berlin laufen noch“, sagte Unternehmenssprecher Marko Rosteck. „Sobald es Konkretes zu berichten gibt, werden die Beteiligten darüber informieren.“
Immerhin ist eines klar: Der Löwenanteil der 20.000 Wohnungen soll nach den vorliegenden Angaben von der Deutsche Wohnen beigesteuert werden. Unternehmenschef Zahn hatte auf der Hauptversammlung davon gesprochen, dass weniger als 12.000 Wohnungen von seinem Unternehmen kommen, also rund 60 Prozent. In Berlin ist die Deutsche Wohnen mit rund 110.000 Wohnungen der größte private Vermieter. Die Vonovia folgt mit rund 41.500 Wohnungen auf Platz zwei.

Genauer Preis steht noch nicht fest

Wie teuer der Wohnungskauf wird, ist unklar. Der einzige Hinweis dazu kommt bisher vom Finanzsenator. Dieser hatte erklärt, dass der Erwerb eher teurer als der Rückkauf des Stromnetzes mit 2,1 Milliarden Euro werde. Die Federführung in den Verhandlungen zum Kauf der 20.000 Wohnungen liegt bei der Senatsverwaltung für Finanzen. Beteiligt sind außerdem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die landeseigenen Unternehmen Berlinovo, Degewo und Howoge.
https://www.berliner-kurier.de/berlin/berlin-soll-offenbar-asbest-wohnungen-von-deutsche-wohnen-erwerben-li.162736

AMV im Lichte der Presse:

Berliner Kurier am 20.05.2021: Widerspruch war erfolgreich – Berliner Mieter dürfen jubeln: Nebenkostenabrechnung für mehr als 800 Wohnungen korrigiert
Der Widerspruch war erfolgreich. Die Adler Immobilien Management GmbH hat nach Protesten gegen hohe Betriebskostennachzahlungen für 2019 ihre Abrechnung für die Wohnanlage in der Angerburger Allee 35–55 in Westend korrigiert. Und zwar für alle Mieter der Anlage, in der es mehr als 800 Wohnungen gibt. Der Gesamtbetrag, auf den die Adler Immobilien Management GmbH im Zuge der Korrektur verzichtet, belaufe sich auf 187.024,29 Euro, erklärte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage.
Hintergrund für die Neuberechnung sei „die zum Teil nicht verbrauchsabhängige Abrechnung der Heizkosten, die im Zuge der Korrektur unseres Dienstleisters (Messdienst) nachgeholt wurde“, so der Sprecher. Ferner seien „diverse Vorwegabzüge für die Außenstellplätze, Tiefgaragenstellplätze und den Fahrradraum nachgebessert“ worden. Auch auf die Umlage der Baumpflegekosten sei, „aus Kulanz und zu Lasten der Eigentümerin, verzichtet“ worden.

Nachzahlungsforderung kam kurz vor Weihnachten

Den Mietern waren, wie berichtet, kurz vor Weihnachten hohe Nebenkostennachzahlungen für das Jahr 2019 zugestellt worden. Mal sollte ein Haushalt 670 Euro nachzahlen, mal 765 Euro, mal mehr als 900 Euro. Der Alternative Mieter- und Verbraucherschutzbund (AMV), der mehrere Dutzend Mieter aus der Wohnanlage vertritt, hatte Widerspruch gegen die Abrechnung eingelegt.
Zwar hatte das Unternehmen auf Anfrage der Berliner Zeitung zu Beginn des Jahres noch erklärt, „unsere Nebenkostenabrechnungen sind richtig und vollständig rechtskonform erstellt und halten einer strengen, sich an objektiven Maßstäben orientierenden Nachprüfung stand“. Nach Prüfung der Belege durch den AMV sagte das Unternehmen dann aber doch eine Korrektur der Abrechnung zu. Damit vermindern sich manche Nachzahlungsbeträge teilweise deutlich. In einem Fall beispielsweise von rund 424 Euro um knapp 256 Euro auf rund 168 Euro.

Alternativer Mieter- und Verbraucherschutzbund: Prüfen der Abrechnung lohnt sich

AMV-Chef Marcel Eupen zeigt sich zufrieden. Die bisherige Widerspruchsbearbeitung der Adler Immobilien Management GmbH sei „konstruktiv, lösungsorientiert und kooperativ“, sagte er. Hervorzuheben sei, dass alle Mieterinnen und Mieter der Wohnanlage eine Korrekturabrechnung erhalten haben – „und zwar unabhängig, ob sie Widerspruch eingelegt haben oder nicht“, so Eupen.
„Es sind zwar noch grundsätzliche Fragen zur Umlegbarkeit diverser Wartungspositionen sowie bei einigen Positionen die Frage der Wirtschaftlichkeit zu klären, jedoch besteht eine realistische Chance, dass dies im Interesse beider Parteien gelingen wird“, so Eupen. Der Vorgang zeige, dass es richtig sei, wenn Mieterinnen und Mieter ihre jährliche Abrechnung nicht einfach hinnehmen, sondern durch einen Mieterverein überprüfen lassen.

AMV im Lichte der Presse:

Berliner Zeitung am 21.05.2021: Falsche Nebenkostenabrechnung – Mieter in Westend sparen knapp 200.000 Euro
Die Adler Immobilien Management GmbH reduziert ihre Forderungen für alle Wohnungen in der Angerburger Allee 35-55.
Der Widerspruch war erfolgreich. Die Adler Immobilien Management GmbH hat nach Protesten gegen hohe Betriebskostennachzahlungen für 2019 ihre Abrechnung für die Wohnanlage in der Angerburger Allee 35-55 in Westend korrigiert. Und zwar für alle Mieter der Anlage, in der es mehr als 800 Wohnungen gibt. Der Gesamtbetrag, auf den die Adler Immobilien Management GmbH im Zuge der Korrektur verzichtet, belaufe sich auf 187.024,29 Euro, erklärte ein Sprecher des Unternehmens auf Anfrage.
Hintergrund für die Neuberechnung sei „die zum Teil nicht verbrauchsabhängige Abrechnung der Heizkosten, die im Zuge der Korrektur unseres Dienstleisters (Messdienst) nachgeholt wurde“, so der Sprecher. Ferner seien „diverse Vorwegabzüge für die Außenstellplätze, Tiefgaragenstellplätze und den Fahrradraum nachgebessert“ worden. Auch auf die Umlage der Baumpflegekosten sei, „aus Kulanz und zu Lasten der Eigentümerin, verzichtet“ worden.

Manche Nachzahlungsbeträge vermindern sich deutlich

Den Mietern waren, wie berichtet, kurz vor Weihnachten hohe Nebenkostennachzahlungen für das Jahr 2019 zugestellt worden. Mal sollte ein Haushalt 670 Euro nachzahlen, mal 765 Euro, mal mehr als 900 Euro. Der Alternative Mieter- und Verbraucherschutzbund (AMV), der mehrere Dutzend Mieter aus der Wohnanlage vertritt, hatte Widerspruch gegen die Abrechnung eingelegt.
Zwar hatte das Unternehmen auf Anfrage der Berliner Zeitung zu Beginn des Jahres noch erklärt, „unsere Nebenkostenabrechnungen sind richtig und vollständig rechtskonform erstellt und halten einer strengen, sich an objektiven Maßstäben orientierenden Nachprüfung stand“. Nach Prüfung der Belege durch den AMV sagte das Unternehmen dann aber doch eine Korrektur der Abrechnung zu. Damit vermindern sich manche Nachzahlungsbeträge deutlich. In einem Fall beispielsweise von rund 424 Euro um knapp 256 Euro auf rund 168 Euro.

Alternativer Mieter- und Verbraucherschutzbund ist zufrieden

AMV-Chef Marcel Eupen zeigt sich zufrieden. Die bisherige Widerspruchsbearbeitung der Adler Immobilien Management GmbH sei „konstruktiv, lösungsorientiert und kooperativ“, sagte er. Hervorzuheben sei, dass alle Mieterinnen und Mieter der Wohnanlage eine Korrekturabrechnung erhalten haben – „und zwar unabhängig, ob sie Widerspruch eingelegt haben oder nicht“, so Eupen.
„Es sind zwar noch grundsätzliche Fragen zur Umlegbarkeit diverser Wartungspositionen sowie bei einigen Positionen die Frage der Wirtschaftlichkeit zu klären, jedoch besteht eine realistische Chance, dass dies im Interesse beider Parteien gelingen wird“, so Eupen. Der Vorgang zeige, dass es richtig sei, wenn Mieterinnen und Mieter ihre jährliche Abrechnung nicht einfach hinnehmen, sondern durch einen Mieterverein überprüfen lassen.